Telendos haftet schon immer etwas dramatisches an. Mit einem großen Rums hat im Jahre 554 n. Chr. ein Erdbeben den mächtigen Felsbrocken von Kalymnos abgespalten. Seither ist Telendos eine kleine Insel  – und eine große Bühne. Die Kulisse ist perfekt: Am Fuße eines bedrohlich schroffen Felsmassivs schmiegt sich ein kleines Dörfchen mit breiter, gut bespielbarer Hafenpromenade. Hier bieten etliche Tavernen Plätze für das interessierte Publikum, das im Halbstundentakt herbei geschifft wird. Umrahmt wird das Bühnenbild vom ägäischen Himmel und einem stillen Sund. Am frühen Morgen, noch bevor die ersten Gäste von der nahen Insel Kalymnos eintreffen, hat Panajoitis die Bühne schon vom eventuellen Müll befreit. Dazu bedient er sich eines dreirädrigen Lastwagens - eines von zwei auf der Insel zugelassenen Fahrzeugen.

Früher, in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, musste man mit bescheidenen Quartieren vorlieb nehmen, wollte man der Theatralik des griechischen Alltags und seinen Protagonisten nahe sein. Das hat sich geändert. Sehr zum Positiven.

Am Theatralischsten erreicht man die Insel in Badehose oder Bikini - vorausgesetzt man weiß seine durchtrainierte Figur beim Entsteigen der Fluten entsprechend in Szene zu setzen. Bei guter Kondition schwimmt jeder zweitklassige Bay-Watch-Eleve die kurze Strecke zwischen Kalymnos und Telendos in einer halben Stunde. Mit den kleinen Fährschiffen erreicht man das Eiland weniger dramatisch, aber immerhin trockenen Fußes in ein paar Minuten. Zwischen Mai und Oktober pendeln die Boote tagsüber alle halbe Stunde. Am Abend und in den Wintermonaten wird die Frequenz auf die Anzahl der Gäste oder die Bedürfnisse der Einheimischen abgestimmt.

Sie suchen nach dem ultimativen Geheimtipp, jenem ominösen Ort an dem man sich trifft, um den Berühmtheiten nahe zu sein? Es gibt ihn nicht. Und es gibt ihn doch. Zunächst - alle Tavernen auf Telendos sind durch die Bank gut. Jede auf ihre Art und alle sind anders.